1920 - 2020

GIZEH – 100 Jahre packende Geschichte

Als weltweit agierender Spezialist für Lebensmittelverpackungen beweisen wir seit nunmehr einem Jahrhundert, dass GIZEH Innovationskraft mit großer Erfahrung, technischer Expertise und hoher Kundennähe verbindet. Blicken Sie mit uns auf zehn Dekaden packender Firmengeschichte ...

1920 - 2020

GIZEH – 100 Jahre packende Geschichte

Als weltweit agierender Spezialist für Lebensmittelverpackungen beweisen wir seit nunmehr einem Jahrhundert, dass GIZEH Innovationskraft mit großer Erfahrung, technischer Expertise und hoher Kundennähe verbindet. Blicken Sie mit uns auf zehn Dekaden packender Firmengeschichte ...

„Erzähle mir die Vergangenheit und ich werde die Zukunft erkennen.”

Konfuzius (551-479 v. Chr.)

1920er Jahre

Gründung mit Schoeller & Hoesch

Vom handwerklichen Zigarettenpapierhersteller zum Technologieführer für feste Kunststoffverpackungen hat GIZEH eine beispielhafte Erfolgsgeschichte geschrieben. Die Erfolgsgaranten: Erfahrung, Innovationskraft, Kundennähe. Und ein konstanter Markenkern: Produkte und Verpackungen für die Lebens- und Genussmittelbranche.

Die Vorgeschichte von GIZEH begann 1881 mit der Gründung des Zellstoffwerks „Schultz & Cie.“ im nördlichen Schwarzwald, das ab dem Jahr 1905 auch Zigarettenpapier produzierte. Das fortan als „Seiden- und Zigarettenpapierfabrik Schoeller & Hoesch GmbH“ firmierende Unternehmen entwickelte sich schnell zum Spezialisten für die Herstellung von hochfeinen Hadernpapieren und zählte zu Beginn der 1920er Jahre bereits zu den weltweit führenden Zigarettenpapierfabriken. Maßgeblich für den Erfolg war vor allem der zunehmende Zigarettenkonsum seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein Trend, der sich im Ersten Weltkrieg nochmals erheblich verstärkte. Da der Nachschub von Filterzigaretten den Bedarf nicht immer decken konnte, waren die Soldaten häufig auf losen Tabak angewiesen.

Popularisierung der Zigarette
Rauchende Landser im Ersten Weltkrieg

Erstes GIZEH-Produktionsgebäude
Hinterhofansicht, Kyffhäuserstraße (Köln)

Aus der Not machten viele Kriegsteilnehmer eine Tugend: Man entwickelte vermehrt Gefallen an der neuen Technik und perfektionierte dabei die nötigen Fingerfertigkeiten zum Selbstdrehen. Mit der gewachsenen Nachfrage standen nach Kriegsende die Zeichen der Zeit auf Expansion. Schoeller & Hoesch entschied sich, die bereits während des Ersten Weltkrieges aufgebaute Vertretungsfirma Obenaus & Maier in Köln zum Produktionsstandort auszubauen. Bei der Standortwahl dürfte auch die Nähe zum dicht bevölkerten Ruhrgebiet eine Rolle gespielt haben, da der größte Teil der „Selbstdreher“ aus der Arbeiterschaft stammte.

Geburtsstunde des GIZEH-Werks

Am 2. Januar 1920 war es dann endlich so weit. Mit der Eintragung der „GIZEH Zigarettenpapier-Verarbeitungs-Gesellschaft m.b.H.“ ins Handelsregister schlug die Geburtsstunde des GIZEH-Werks. Im Angebot befanden sich zu Beginn lediglich Zigarettenbüchel als Flachpackungen, später kamen sogenannte Falz- oder Zick-Zack-Packungen hinzu. Die hohe Nachfrage führte schließlich zur Einstellung weiterer Arbeitskräfte und zur Beschaffung neuer Schneide-, Heft- und Gummiermaschinen. Mit dem Kauf eines Wohn- und Fabrikgebäudes etwas außerhalb der Kölner Altstadt konnten die Produktionsbedingungen ab dem Jahr 1923 außerdem deutlich verbessert werden. Zur positiven Entwicklung trugen vor allem zwei erfolgreiche Marken bei: zum einen das „Deutsche Cigaretten-Papier“ (DCP), das bereits zuvor von Schoeller & Hoesch produziert worden war, zum anderen die neue Eigenmarke „GIZEH“. Ein zeitgemäßes Branding, denn mit den weltbekannten ägyptischen Pyramiden bediente man die damals weit verbreitete Orientbegeisterung.

1930er Jahre

Ausbau mit Hochleistungsmaschinen

Der Anbruch der neuen Dekade stand noch ganz im Zeichen der Weltwirtschaftskrise. Doch die wirtschaftliche Misere tat der augenscheinlichen Omnipräsenz der Zigarette in der Öffentlichkeit keinen Abbruch. Und so konnte GIZEH schnell wieder kleinere Gewinne einfahren, ganz im Gegensatz zu den allermeisten anderen Branchen, die weiterhin massiv unter dem Konjunktureinbruch zu leiden hatten.

GIZEH in der Zeit des Nationalsozialismus

Im Mai 1933 übernahm Dr. Vincenz Wachter, der bereits zuvor als Prokurist und Steuerberater für Schoeller & Hoesch gearbeitet hatte, die Leitung des Unternehmens. Max Maier und Sabine Obenaus traten zunächst aus der Geschäftsführung zurück und schieden mit der Emigration in die USA im Jahr 1937 schließlich ganz aus der Firma aus. Im Gegensatz zu vielen anderen jüdischen Geschäftsleuten wurden beide jedoch großzügig abgefunden und an jedem bis zum Kriegsende verkauften Büchel über ein dafür eingerichtetes Sonderkonto beteiligt.

Der zunächst einsetzende konjunkturelle Aufschwung führte zu einer deutlichen Umsatzsteigerung bei den deutschen Zigarettenpapierherstellern, die zu dieser Zeit etwa 2.000 Beschäftigte zählten. Trotz wirtschaftlicher Autarkiebestrebungen blieb Deutschland in den 1930er Jahren der größte Tabakimporteur der Welt. Pro Jahr wurden 100.000 Tonnen eingeführt, vor allem aus Griechenland, der Türkei und Bulgarien. Zudem setzte die NSDAP in ihrer Konsumpolitik auf moderaten und bezahlbaren Genuss und verschonte die Tabakindustrie daher mit gesetzlichen Einschränkungen.

GIZEH-Werk Dr. Wachter & Co

So konnte GIZEH ungehindert expandieren und die Jahre zwischen 1933 und 1938 zur räumlichen Vergrößerung sowie zur technischen Modernisierung nutzen. Mit der Verlagerung des Produktionsstandortes nach Köln-Raderberg ging zunächst die Umstellung der Büchelfertigung auf Hochleistungsmaschinen einher. Zusätzliche Gummier-, Schneide- und Einlegemaschinen fanden in den größeren Räumlichkeiten problemlos Platz. Damit hatte sich GIZEH nun endgültig zum Industriebetrieb entwickelt, nachdem man bereits in der alten Produktionsstätte zu einer halbindustriellen Fertigung übergegangen war. Mit dem erweiterten Maschinenpark konnten jetzt auch Zigarettenhülsen in das Produktionsprogramm aufgenommen werden.

Banderolierraum um 1936

Schneidmaschinenraum um 1936

Unter dem Namen „GIZEH-Werk Dr. Wachter & Co.“ wurde die Firma schließlich im Jahr 1937 in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Durch die verbesserte maschinelle Ausstattung konnte GIZEH zusätzliche Lohnfertigung übernehmen und wurde in den 30er Jahren zur verlängerten Werkbank für unterschiedliche Produzenten und Vertriebsbüros. Dazu zählte der Traditionshersteller Jordan, die Zweigniederlassung der Wiener Austria in München, Meyer in Berlin oder die Tabakfabrik Landfried in Heidelberg. Seit 1938 stellte das GIZEH-Werk außerdem Büchel in Lizenz für die Firma Abadie her.

1940er Jahre

Wiederbeginn mit Produktionsverlagerung

Raucherbedarf war traditionell in Kriegszeiten sehr begehrt. So stieg auch im Verlauf des Zweiten Weltkrieges der zivile und militärische Bedarf an Hülsen und Bücheln derart an, dass viele Firmen mit der Deckung nicht mehr nachkamen.

Gaststätte Neuhaus (Bergneustadt)
Ausweichquartier zum Ende des Zweiten Weltkrieges

Kriegswirtschaft und Standortverlagerungen

Das galt auch für das GIZEH-Werk, welches zudem nur noch unter erschwerten Bedingungen produzieren konnte. Die zunehmende Bedrohung durch Luftangriffe führte im Jahr 1942 zu einer Teilauslagerung der Büchelfertigung von Köln nach Lothringen, wo monatlich ca. vier Millionen Büchel, d. h. 40.000 Schachteln hergestellt wurden. Die Produktionsstätte in Lothringen blieb jedoch nur ein kurzes Intermezzo in der Unternehmensgeschichte und ging bereits im Dezember 1944 durch die Besetzung der Alliierten wieder verloren. Währenddessen sollten sich die Befürchtungen um das Kölner Stammwerk bewahrheiten. Durch zwei schwere Luftangriffe im Sommer 1943 sowie im Herbst 1944 wurde das mehrstöckige Gebäude mit allen Fabrikationsanlagen in Schutt und Asche gelegt. Fünf Betriebsangehörige fanden unter den Gebäudetrümmern den Tod.

Parallel zur Produktionsverlagerung nach Lothringen hatte man auch im Bergischen Land eine weitere Produktionsstätte aufgetan. So mietete sich GIZEH in der Bergneustädter Gaststätte Neuhaus ein, die mit ihrem stattlichen Festsaal genügend Platz für eine temporäre Fertigung bot. Dorthin wurden ab 1943 sukzessive Gasgummier-, Flachschneide- und Heftmaschinen gebracht und im Januar 1944 mit der Fabrikation begonnen. Als kriegstypisches Provisorium hatte man den Festsaal jedoch nur von Montag bis Freitag gemietet und die Produktionstätigkeit blieb zumeist auf die Vormittage beschränkt. Kurzfristig ließ sich auf diese Weise der Ausfall weiterer Betriebsstätten zumindest teilweise kompensieren. Mit einem Produktionsvolumen von ca. zwei Millionen Bücheln monatlich, d. h. 20.000 Schachteln, konnte ein unter den gegebenen Umständen zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden.

Neustart in Bergneustadt

Neue Räumlichkeiten
in der Textilfabrik Wahlefeld (Bergneustadt, Ende der 40er)

Produktion von Zigarettenpapier
Ende der 40er / Anfang der 50er Jahre

Zusätzlich zum politischen und wirtschaftlichen Einschnitt des Jahres 1945 erlebte GIZEH auch eine personelle, örtliche und rechtliche Zäsur. Nachdem im Herbst 1945 der Kölner Geschäftsführer Dr. Wachter verstorben war, übernahmen die altgedienten Mitarbeiter Kurt Breidenbach und Josef Herp das Ruder beim angeschlagenen Zigarettenpapierspezialisten. Im Januar 1946 wurde das neu aufgestellte Unternehmen schließlich in eine GmbH umgewandelt. Fortan lief die Produktion in Bergneustadt weiter, allerdings mit einem im Vergleich zur Vorkriegszeit deutlich reduzierten Maschinen- und Personalbestand.

Über mangelnde Nachfrage musste man sich hingegen keine Sorgen machen. Denn unmittelbar nach dem Krieg waren Zigarettenpapierbüchel ein begehrter Schwarzmarktartikel. Auf dieser Grundlage ging es bei GIZEH schnell bergauf. Mit der Anmietung eines Betriebsteils von der nahegelegenen Textilfirma K.F. Wahlefeld hatte man nach der Währungsreform 1948 endlich wieder angemessene Räumlichkeiten gefunden. So gelang es den Bergneustädtern bis 1950, ihren Marktanteil bei Zigarettenpapierbücheln auf ca. 20 % zu erhöhen, wobei die Absatzschwerpunkte in Norddeutschland und im Ruhrgebiet lagen.

1950er Jahre

Aufschwung mit Diversifizierung

Bei GIZEH erfolgte im August 1954 der erste Spatenstich für ein hochmodernes Papierverarbeitungswerk. Mit 3.200 qm Grundfläche auf einem 15.000 qm großen Gelände hatte man am nordöstlichen Rande Bergneustadts nunmehr völlig neue Perspektiven geschaffen.

Die Baumaßnahmen schritten in der Folge zügig voran und auch der schneereiche Winter 1954/55 konnte den Fortgang der Entwicklung nicht nachhaltig gefährden. Im Spätherbst 1955 war es dann soweit: Der erfolgreiche Umzug an die nördliche Peripherie der Stadt legte den Grundstein für den Aufbau eines mittelständischen Unternehmens, das zu den größten Betrieben der Branche und der gesamten Region werden sollte.

Neubau der Produktionsstätte
Bergneustadt, Breiter Weg (Mitte der 50er)

„Geschichte ist nicht nur Geschehenes, sondern Geschichtetes, also der Boden, auf dem wir stehen und bauen.“

Hans von Keler, evangelischer Theologe

Diversifizierung des Portfolios

Die Räume und Hallen des neu erbauten Werks ließen nun auch eine Diversifizierung des Produktportfolios zu. So startete GIZEH Mitte der 1950er Jahre mit Lippentupfern, Brillenputzpapier und Erfrischungstüchern einen ersten Versuch zur Erweiterung der Produktpalette.

Schon bald konzentrierte sich die Geschäftsführung jedoch ganz auf die boomende Lochkartenherstellung, bei der man es auch mit dem zunächst übermächtig erscheinenden Wettbewerber IBM aufnehmen musste.

Perga-Packungen
für die Milchwirtschaft

In den 50er Jahren avancierten Milchbars zu beliebten Jugendtreffpunkten und auch bei GIZEH setzte man ganz auf die Milch und deren Verpackung. Gleichzeitig stellte der Lebensmitteleinzelhandel zunehmend auf Selbstbedienung um. Zum Schutz der Waren und als Kaufanreiz waren jetzt neuartige Verpackungslösungen gefragt. In Kooperation mit der Firma Jagenberg aus Düsseldorf stieg GIZEH Ende der 50er in das Geschäft mit Perga-Packungen ein, die sich bald in der Milchwirtschaft durchsetzen sollten. Eine Schicht aus Paraffin sorgte für eine widerstandsfähige, d. h. luftundurchlässige und stoßfeste Verpackung – ganz im Sinne der Auftraggeber.

1960er Jahre

Revolutionierung mit Kunststoffprodukten

Nachdem paraffinierte Milchtüten zunehmend in die Kritik geraten waren, wandte man sich bei GIZEH verstärkt den gespritzten Kunststoffverpackungen zu. Ab Juli 1964 wurden Becher aus Polystyrol in den Größen von 100 bis 250 ml, hauptsächlich für die Verpackung von Milcherzeugnissen produziert. Ein für die Lebensmittelbranche relativ neuer Werkstoff, mit dem man jedoch den Markt der Zukunft für sich entdeckt hatte.

Maschinen zum Spritzgießen im Jahr 1966

So wurde Kunststoff in den 1960er Jahren zum verheißungsvollen Taktgeber der Wirtschaft und eroberte in kürzester Zeit die gesamte Republik. Machten „Plaste“-Erzeugnisse in den 50er Jahren noch weniger als ein Prozent an der bundesdeutschen Packstoffproduktion aus, wuchs dieser Anteil bis 1970 geradezu exponentiell auf über 20 Prozent an.

Der Kunststoffbecher

Mit den zwischenzeitlich im Kunststoffsektor gewonnenen Erfahrungen startete GIZEH außerdem ab 1966 die Produktion von tiefgezogenen Verpackungen für Milch und Milchprodukte. Bedingt durch den Kunststoffboom entstand 1968 ein neues Werk mit 5.500 qm Fläche, das bereits Platz für eine spätere Erweiterung der Produktion ließ. Fortan konnten Kunststoffbecher mit bis zu 5 Litern Fassungsvermögen für Quark, Sahne und Milch hergestellt werden. Durch Einfügen einer Sperrschicht war man schließlich in der Lage, auch empfindliche Füllgüter vor möglichen Gärungsprozessen zu schützen. Mit diesen Innovationen gelang es GIZEH erstaunlich schnell, zu einem der führenden Verpackungshersteller im Molkereisektor aufzusteigen.

Zu dieser Zeit etablierten sich auch die maßgeblichen Herstellungs- und Verarbeitungstechniken, um die verschiedensten Verpackungsvarianten zu erzeugen. Bis in die 1970er Jahre entwickelten Forschung und Industrie mit PVC, Polyamid, Polypropylen, Polyethylen, Polystyrol und PET die wichtigsten Polymere für Verpackungsanwendungen. Kunststoffe wurden auch deswegen zum Erfolgsmodell, da sie sehr unterschiedliche Eigenschaften wie Leichtigkeit, Bruchsicherheit, Dehnbarkeit und hervorragende Barriereeigenschaften kombinierten. Ob Blisterverpackungen für Medikamente, Flaschen und Tiegel für Kosmetika oder Folienverpackungen für Lebensmittel – die Zahl der Anwendungsgebiete wuchs stetig.

1970er Jahre

Europäisierung mit Einweggeschirr

Nach dem plötzlichen Tod des langjährigen Geschäftsführers Josef Herp im Jahr 1970 schlug die Stunde der jüngeren Generation. Der Diplom-Kaufmann Joachim Ludwig und der Ingenieur Helmut Förste, die bereits zuvor in Bergneustadt Verantwortung übernommen hatten, teilten sich fortan die Leitung des Unternehmens.

Kunststoffverpackungen für die Molkereiwirtschaft

Und so ging es zunächst weiter aufwärts: Durch den Bau eines neuen Kunststoffverarbeitungswerks hatte GIZEH deutschlandweit Maßstäbe gesetzt und stieg bis zum Ende des Jahrzehnts mit einem Produktionsvolumen von knapp einer Milliarde Becher zum Großlieferanten für die Molkereiwirtschaft auf. Im Verlauf der 1970er Jahre kamen außerdem immer neue Verpackungsformen und anwendungsorientierte Besonderheiten hinzu. Spezifische Abfüllmengen, Dosiermöglichkeiten und Öffnungsvarianten erweiterten das Lieferspektrum auch qualitativ. Abgeschlossen werden sollte die Entwicklung der Becherproduktion in den 1970er Jahren mit einem echten Highlight: 1979 brachte Nestlé gemeinsam mit GIZEH die erste 5-Minuten-Terrine auf den Markt.

Im Jahr 1974 begründete man außerdem ein Lieferprogramm für Einweggeschirr und eröffnete einen neuen Produktionsstandort im französischen Bouxwiller. Die einfache Nutzung, aber auch die physiologische Unbedenklichkeit und die hygienischen Vorzüge des Geschirrprogramms sorgten für eine schnelle Marktdurchdringung. Mit einer zeitgemäßen und modernen Küche verband sich in den 70er Jahren außerdem der vermehrte Griff in die Tiefkühltruhe. Verbrauchte 1960 jeder deutsche Haushalt im Durchschnitt gerade einmal 830 Gramm Tiefkühlkost, stieg der Konsum bis 1970 auf über 10 Kilo an. Für den wachsenden Bedarf an verbrauchergerechten Tiefkühlpackungen entwickelte GIZEH unterschiedlichste Artikel, die überwiegend auf Basis von kältebeständigem Polystyrol produziert wurden.

Werk in Bouxwiller Produktionsstandort in Frankreich

Entwicklung zum Lochkartenspezialisten

Neben den Bemühungen um die Gewinnung neuer Märkte hielt GIZEH aber auch am bereits etablierten Warensortiment fest. So hatte sich das Unternehmen bis 1970 mit einem monatlichen Produktionsvolumen von 180 Millionen Lochkarten zu einem der größten Hersteller in der Bundesrepublik entwickelt. Hinzu kamen jetzt eine ganze Reihe von Sonderformaten: Kurzkarten, Spezialkarten mit Überlängen, Lochkartensätze, Transdata-Karten (Endlosstreifen) und nicht zuletzt die OMR-Karten: OMR stand für Optical Mark Recognition und ermöglichte die optische Verarbeitung von Strichmarkierungen im Rahmen computergestützter Systeme. Um bei der Lochkartenfertigung konkurrenzfähig zu bleiben, wurde 1975 außerdem eine Betriebsstätte in Berlin-Neukölln angemietet. Dieser Schritt erfolgte allerdings relativ spät, möglicherweise sogar zu spät, denn die rasante Entwicklung in der Computertechnik ließ die Lochkarte sehr bald zu einem Nischenprodukt werden.

Lochkartenproduktion auf Gallus-Rüesch-Maschinen

GIZEH in Berlin Werk für Lochkartenproduktion

1980er Jahre

Eigenständigkeit mit Werkzeugfertigung

Zu Beginn der 1980er Jahre mussten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen mehrfach nach unten korrigieren. Die sogenannte zweite Ölkrise hatte sowohl die Teuerungsrate als auch die Arbeitslosenquote deutlich ansteigen lassen und die anhaltende Konjunkturschwäche belastete den Staatssäckel schwer.

GIZEH-Cima Produktionsstandort für Raucherbedarf in Österreich

GIZEH-Alpaci Produktionsstandort für Raucherbedarf in Frankreich

Investitionen in die Rauchersparte

Ergebnis dieser Entwicklungen war eine drastische Steuererhöhung von 39 % auf Zigaretten im Jahr 1982, was zu einer deutlichen Erhöhung der „Selbstdreherquote“ führte. Ein Glücksfall für GIZEH, beherrschte man doch damals etwa 50 % des westdeutschen Marktes für selbstgedrehte Zigaretten. So wurden die Produktionskapazitäten weiter ausgebaut und 1983 die Cigarettenpapiermanufactur GmbH (CIMA) im nördlich von Linz gelegenen St. Peter am Wimberg gegründet.

Währenddessen wurde ebenfalls zu Beginn der 1980er Jahre in Imbsheim, nur unweit vom bereits bestehenden Werk in Bouxwiller entfernt, die Betriebsstätte ALPACI eröffnet. Diese wiederum lieferte Hülsen und Eindrehfilter an die GIZEH-Werk Dispoform GmbH in Offenburg, die den Vertrieb der Produkte in Deutschland koordinierte.

Mehr Unabhängigkeit für GIZEH versprach die 1981 erfolgte Gründung einer eigenständigen Werkzeugfabrik in der Schweiz. Die WEMABAG Schlatt AG produzierte fortan anspruchsvolle Stanz- und Tiefziehwerkzeuge für die Großserienfertigung von Kunststoffbehältern. Mit den hier produzierten Werkzeugen konnten flexible Anpassungen in kürzester Rüstzeit umgesetzt werden. Zur optimalen Kapazitätsauslastung ging man außerdem dazu über, auch die Wettbewerber mit Standardwerkzeugen zu beliefern.

Als weiteres innovatives Verpackungsmittel standen zu Beginn der 1980er Jahre die PET-Getränkeflaschen vor ihrem großen Durchbruch. Dabei kümmerte man sich bei GIZEH vor allem um die Entwicklung von flaschenähnlichen Weithalsgefäßen mit Gewinde- oder Schnappverschluss – ein für den europäischen Verpackungsmarkt neues Produkt. Bis zum Ende des Jahrzehnts konnte sich GIZEH erfolgreich am Markt etablieren und produzierte ein großes Spektrum an PET-Weithalsbehältern in unterschiedlichen Standardformen sowie ein umfangreiches Deckelprogramm.

PET-Gebinde in der Produktion

1990er Jahre

Neustart mit Verpackungslösungen

Kaum hatte sich der Staub des Mauerfalls gelegt, arbeitete GIZEH im nun wiedervereinigten Berlin an der Entwicklung weiterer Geschäftsfelder. In Marienfelde produzierte die GIZEH Spuntec jetzt Vliesstoffe, unter anderem für Arbeitskleidung und den Agrarsektor. Am gleichen Standort stellte außerdem das Ferma GIZEH-Werk Kunststofffolien her, die für Tragetaschen, Kaffeetüten und zur Haltbarmachung von Nahrungsmitteln eingesetzt werden konnten.

GIZEH in Polen Produktionsstandort in Tarnowo Podgórne

Markterschließung in Osteuropa

Noch weiter nach Osten ging es im Jahr 1994 mit der Eröffnung eines polnischen Betriebs im südlich von Warschau gelegenen Laskarzew. 1997 wurde dieser Betrieb durch den Kauf einer neuen Produktionsstätte im polnischen Tarnowo Podgórne ersetzt. Ganz in der Nähe des industriellen Zentrums Posen wurden nachfolgend Kunststoffbecher und Einweggeschirr hergestellt. Nur wenige Jahre nach Markteintritt gehörte GIZEH zu den größten Produzenten für Molkereiverpackungen in Osteuropa. Außer Polen belieferte man auch Russland, die Ukraine, Weißrussland und das Baltikum.

Gemeinsam mit Fleischhauer, einer traditionsreichen Verlagsdruckerei, verstärkte GIZEH ab 1991 die schon bestehende Datenträgersparte durch ein neues Werk in Bochum. Ein Jahr später produzierte man bereits mehr als vier Milliarden Tickets und Etiketten, u. a. für Parkhäuser, den ÖPNV, die Industrie und den Einzelhandel. Damit gehörte Fleischhauer-GIZEH zu den weltweit führenden Anbietern in diesem Segment.

Im Bereich der Verpackungssparte produzierte GIZEH Mitte der 1990er Jahre mehrere Milliarden Kunststoffbehälter pro Jahr, die in Deutschland, Frankreich und später auch in Polen hergestellt wurden. Sowohl im Spritzguss-Verfahren als auch beim Thermoformen verarbeitete man hauptsächlich Polystyrol und Polypropylen zu dünnwandigen Bechern in vielen Formen, die vorwiegend im 6-Farben-Offset-Druckverfahren dekoriert wurden. Die Bestseller waren zu dieser Zeit Kunststoffbecher für Molkereiprodukte sowie Trink- und Automatenbecher. Kreative Stärke bewies GIZEH außerdem bei der Entwicklung von Zwei-Kammer-Bechern. Als neuartiges Dekorationsverfahren kam schließlich erstmals Offmould-Labelling zum Einsatz.

Neupositionierung der GIZEH-Gruppe

Die wenigen Innovationen konnten jedoch die grundlegenden Probleme nicht lösen. So umfasste das GIZEH-Unternehmensportfolio Mitte der 1990er Jahre elf unterschiedliche juristische Einheiten bzw. Firmen, die wenig auf die Bedürfnisse der Kunden und des Marktes zugeschnitten waren. Folglich produzierte man fast ausschließlich betriebswirtschaftliche Verluste und der Weiterbestand der Unternehmensgruppe schien akut gefährdet. In dieser Situation übernahm der damals 39-jährige Ralf Jung die Position des Alleingeschäftsführers der GIZEH-Werk GmbH. Im Rahmen der Sanierungsbemühungen ordnete er die Gruppe neu, stellte verschiedene Geschäftsbereiche ein und straffte das Portfolio.

GIZEH-Werk Bergneustadt im Jahr 1998
 

Jacqueline und Ralf Jung
auf der Packexpo (1999)

Durch Insolvenz eines Gesellschafters im Jahr 1996 kam es schließlich zum Verkauf der GIZEH-Gruppe an die Deutsche Beteiligungs AG in Frankfurt. Im Bestreben um ein gutes Verkaufsergebnis zerschlug die DBAG die Gruppe und veräußerte die einzelnen Geschäftsbereiche an Marktbegleiter. Daraus entwickelte sich auch die gesellschaftsrechtliche Trennung von der Raucherbedarfssparte im Jahr 1997, die an die niederländische Mignot & de Block-Gruppe verkauft wurde. Die Verpackungssparte bot die DBAG dem damaligen Geschäftsführer Ralf Jung an, der im November 1998 das Geschäft gemeinsam mit seiner Frau Jacqueline erwarb. Die Ausgangssituation zu diesem Zeitpunkt stellte alle Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen:

Zwei Betriebe (Bergneustadt & Wemabag / Schweiz), eine leerstehende Halle im polnischen Tarnowo Podgórne, 30 Mio. operativer Verlust und 450 Mitarbeiter. Eine der wichtigsten Aufgabenstellungen nach dem Management Buy-Out war die Neupositionierung der GIZEH-Gruppe. Deshalb wurde zunächst die Kraft auf eine geringere Anzahl an Kunden gebündelt (darunter Onken, Strothmann, Dr. Oetker, Nestlé, Mona) und das Unternehmen auf hochwertige Verpackungslösungen ausgerichtet. Diese Strategie ging bereits im ersten Jahr gut auf und der Umsatz konnte bis zum Jahr 2001 verdoppelt werden. Damit einher ging eine Verbesserung der Gewinnsituation, so dass im Jahr 2002 erstmals ein positives Unternehmensergebnis ausgewiesen werden konnte.

2000er Jahre

Erfolge mit Entwicklungskompetenz

Mit einem Produktionsvolumen von ca. 1,5 Milliarden Bechern pro Jahr präsentierte sich GIZEH Verpackungen um die Jahrtausendwende als eines der großen europäischen Unternehmen innerhalb der eigenen Branche. Die Kunden – überwiegend Lebensmittelkonzerne und Molkereien – konnten zwischen 800 verschiedenen Geometrien und Packungsgrößen auswählen.

Neustart als Familienunternehmen

GIZEH bot jetzt zusätzlich die hohe Flexibilität eines unabhängigen Familienunternehmens mit kurzen Wegen und schnellen Entscheidungen. Um langfristig in die Erfolgsspur einzubiegen, brauchte es jedoch eine überzeugende Gesamtstrategie, die man in der Besinnung auf jahrzehntelang praktizierte Kernkompetenzen fand: Innovationskraft, Prozess-Know-how und hohe Entwicklungskompetenz. GIZEH Verpackungen wurde zielstrebig als Spezialist für technisch anspruchsvolle und gleichzeitig den individuellen Kundenwünschen entsprechende Verpackungslösungen positioniert. Besonders aktiv zeigte man sich im Bereich Inmould-gelabelter Verpackungen. Hier gab es bereits einige Mitbewerber, die das Verfahren einsetzten, jedoch gehörte GIZEH aufgrund der hohen technischen Expertise zu den Marktbereitern dieser Technologie. Innerhalb kürzester Zeit wurde eine Vielzahl neuer Aufträge akquiriert, vorzugsweise aus der Feinkostindustrie. Nachdem eine dringend notwendige Betriebserweiterung in Bergneustadt gescheitert war, entschloss sich GIZEH, einen neuen Standort zu eröffnen. Da damals bereits viele Kunden ihre Produktion in die neuen Bundesländer verlagert hatten, fiel die Wahl schließlich auf das brandenburgische Elsterwerda. 2004 konnte hier die Produktion mit vier Spritzgießmaschinen gestartet werden. Bereits Ende 2006 trug GIZEH Elsterwerda mit ca. 25 Mio. € einen erheblichen Teil zum Gruppenumsatz bei, der auf mittlerweile über 80 Mio. € angestiegen war.

Werk in Elsterwerda Besuch von Ministerpräsident Platzeck

Werk in Angers (Frankreich) im Jahr 2005

 

PET-Produktion in Bergneustadt (2007)

Einstieg in den französischen Markt

Zwischenzeitlich war die GIZEH-Gruppe in Deutschland zur Nummer 2 in ihrem Marktsegment aufgestiegen und wurde auch von Branchengrößen wie der Nestlé-Gruppe als attraktiver Lieferant wahrgenommen. Nestlé verlagerte im Jahr 2004 die Produktion aus dem bayerischen Weiding nach Frankreich und suchte dort einen leistungsfähigen Partner. Zu diesem Zeitpunkt liefen bereits Verhandlungen zwischen GIZEH und der spanischen Coexpan-Gruppe über deren Werk in Angers. Das Bechergeschäft von Coexpan war stark verlustreich und sollte deswegen abgestoßen werden. GIZEH sah jedoch in diesem Werk in Verbindung mit dem zu erwartenden Neugeschäft mit Nestlé eine große Chance und entschloss sich zum Erwerb des Betriebes in Beaucouzé (nahe Angers) im Jahr 2005. Zeitgleich zur allgemein zunehmenden Investitionstätigkeit deutscher Unternehmen im In- und Ausland hatte sich also auch GIZEH als ausgabefreudig erwiesen. Insgesamt investierten die Bergneustädter zwischen 2004 und 2007 ca. 50 Mio. Euro in neue Anlagen und Technologien. Der Umsatz erhöhte sich in diesem Zeitraum von rund 55 auf ca. 99 Mio. Euro. Die Folgejahre 2008/2009 waren geprägt von der weltweiten Wirtschaftskrise, zusätzlich aber auch von den Restrukturierungsbemühungen in Frankreich und den Wachstumsanstrengungen im brandenburgischen Werk. In mehreren Etappen wurde außerdem der polnische Betrieb ausgebaut. Nach dem krisenbedingten Umsatzrückgang von ca. 99 Mio. € im Jahr 2007 auf ca. 79 Mio. € in 2009 begab sich die Gruppe erneut auf Wachstumskurs. Besonders erwähnenswert ist dabei der Einstieg in die Sleeve-Technologie sowie die Sortimentserweiterung im Bereich PET-Flaschen im Jahr 2009.

2010er Jahre

Wachstum mit Globalisierung

„Customized Cup Solutions“ lautete der Unternehmensclaim, mit dem GIZEH ab dem Jahr 2013 seine Kernkompetenz und das zentrale Versprechen an den Kunden auf den Punkt brachte. Konsequente Kundenorientierung, verbunden mit maßgeschneiderten Verpackungslösungen, um das jeweilige Produkt in technischer, funktionaler und gestalterischer Hinsicht optimal zu unterstützen.

Technologischer Marktführer

Bis zum Ende des Jahrzehnts standen nunmehr die Herstellungsvarianten Thermoformen, Spritzstreckblasen und Spritzguss zur Verfügung, die mit den Dekorationsverfahren Inmould-Labelling, Shrink-Sleeving, Etikettierung, Druck und Digitaldruck kombiniert werden konnten. Auch der Entwicklungsprozess wurde in den 2010er Jahren noch um einen wichtigen Baustein ergänzt: Mehr Schnelligkeit und Flexibilität versprach ab 2014 ein hochauflösender 3D-Drucker, mit dem sich realistische Prototypen und Verpackungsentwürfe nach individuellem Kundenwunsch herstellen ließen.

Im Verständnis eines technologischen Marktführers bot GIZEH ab dem Jahr 2017 als einer der ersten Verpackungshersteller weltweit „Digital Cup Printing“ an. Ein Dekorationsverfahren, das Motivwechsel innerhalb weniger Minuten und damit sehr kurze Reaktionszeiten ermöglichte. Als Markt boten sich Eventbecher an, die auf Veranstaltungen unterschiedlicher Größenordnungen überwiegend im Mehrwegverfahren genutzt wurden. Mit der Zeit gelang es, nicht nur Bundesligisten wie Bayern München und Eintracht Frankfurt, sondern auch alle größeren Musik-Festivals in Deutschland zu beliefern, darunter Rock am Ring, Rock im Park, Wacken und Hurricane. Für hohe Auflagen steht außerdem das bewährte Inmould-Labelling-Verfahren zur Verfügung, mit dem wiederverwertbare Eventbecher dekoriert werden können.

Sorgsamer Umgang mit Ressourcen

GIZEH ist bereits ab den 1980er Jahren mit Themen des Umweltschutzes vertraut und bemüht sich seitdem konsequent um eine Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks der eigenen Produktion. Im neuen Jahrtausend wurden diese Bemühungen verstärkt und führten 2011 zur Implementierung eines Energiemanagementsystems, das nach ISO 50001 zertifiziert wurde. Pro Jahr flossen jetzt ca. 250.000 Euro in die kontinuierliche Senkung des Energieverbrauchs. Neben der Steigerung der Energieeffizienz und der Reduzierung von Emissionen forcierte GIZEH die Erzeugung von Ökostrom durch Installation von zwei Photovoltaik-Anlagen in Bergneustadt und Elsterwerda. Insbesondere zur Erreichung der CO2-Ziele ist derzeit die sorgsame und ressourcenschonende Verwendung von Kunststoff alternativlos. Dabei spielt die weitere Einsparung von Verpackungsmaterial bei gleichbleibender Funktionalität des Gebindes eine große Rolle. Schon in der Konstruktionsphase wird außerdem die Verwertung des geleerten Gebindes mitbedacht. Ziel ist es, nur Materialien bzw. Materialkombinationen einzusetzen, die den Recyclingprozess nicht negativ beeinflussen („Design for Recycling“).

Globalisierung der GIZEH-Gruppe

Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt für GIZEH bildete die Gründung eines Standorts in Nordamerika. Die Initialzündung für diesen Schritt löste die Unternehmensgruppe Theo Müller aus, die im US-Staat New York eine Molkerei eröffnet hatte und GIZEH als Lieferanten beauftragte.

Nachdem man im nicht weit entfernt gelegenen Brantfort (Ontario) eine geeignete Fabrikationsstätte gefunden hatte, begann man 2013 mit der Produktion von Froop-Bechern. Schnell konnten neben dem in der Nachbarschaft angesiedelten Ferrero-Werk noch weitere Kunden gewonnen werden, so dass die gemietete Immobilie bald aus allen Nähten platzte. Aufgrund der guten Entwicklung in Kanada entschied man 2015, ein neues Werk in unmittelbarer Nähe zum bereits bestehenden Standort zu bauen, das im Sommer 2016 seinen Betrieb aufnahm.

In der ersten Hälfte der 2010er Jahre wurde die technische Kompetenz der GIZEH-Gruppe weiter gestärkt. Es erfolgte der Einstieg in die Sleeve-Technologie an den Produktionsstätten Bergneustadt und Tarnowo Podgórne. Der firmeneigene Werkzeugbau in der Schweiz wurde wegen Überalterung des Betriebes und der Belegschaft geschlossen und am polnischen Standort komplett neu aufgebaut. Dort standen nunmehr 10 Mitarbeiter bereit, die sich unter anderem um die Produktion von Tiefzieh- und Spritzgusswerkzeugen kümmerten.

Parallel dazu konnte der Umsatz zwischen 2010 und 2016 von ca. 81,5 auf ca. 98,3 Mio. € gesteigert werden. Mittlerweile beschäftigte die Gruppe etwa 700 Mitarbeiter. Auch beim Gewinn vor Steuern zeichnete sich eine positive Entwicklung ab. Von 2011 bis 2017 konnte das Vorjahresergebnis immer wieder übertroffen werden. Der Wachstumskurs der Gruppe erforderte schließlich weitere Betriebsvergrößerungen. So wurden an mehreren Produktionsorten neue Lagerstätten in Betrieb genommen.

Auch in Frankreich gab es Erfolge zu verzeichnen. GIZEH Emballage Angers, seit 2005 zur Unternehmensgruppe gehörig, befand sich auf einem stetigen Wachstumskurs. Nach einer Konsolidierungsphase mit umfangreichen Investitionen und der Optimierung der Fertigungsprozesse konnte der Umsatz in den 2010er Jahren mehr als verdoppelt werden. Am Standort Angers wurde außerdem die bislang größte Tiefziehanlage der Gruppe mit Vollautomation in Betrieb genommen. GIZEH France stieg damit zum Marktführer für Molkereibecher in Frankreich auf.

Zukunft im Familienunternehmen

GIZEH Verpackungen ist heute Technologieführer für starre Kunststoffverpackungen. Trotz aller Veränderungen und Neuausrichtungen in der bewegten Geschichte lassen sich signifikante Konstanten feststellen, die den Erfolg des Unternehmens über ein Jahrhundert befördert haben. Dazu zählen vor allem Flexibilität, Innovation, Kundennähe und technische Expertise. Als gelebte Unternehmenskultur haben diese Faktoren dazu geführt, dass GIZEH von einem kleinen Tochterbetrieb zu einer bedeutenden mittelständischen Unternehmensgruppe wachsen konnte, die ab dem Jahr 2020 auch in Weißrussland mit einem eigenen Standort vertreten ist. Mit der neuen Generation im Familienunternehmen blickt GIZEH heute selbstbewusst in die Zukunft und freut sich auf die kommenden Herausforderungen!